3. Phase

Der eigentlichen ausführlichen und anschaulichen Feinbeschreibung sollte stets eine knappe und wesentliche Grobbeschreibung voran gestellt werden, um dem Leser zunächst einmal eine grobe Orientierung zu geben. So kann er die folgenden detaillierten Ausführungen von Anfang an in einem übergeordneten Zusammenhang verstehen.

"Die Beschreibung von Kunstwerken ist eine dem tieferen Erleben und Verstehen von Werken in der bild. Kunst und Architektur dienliche Methode. Richtig angewandt, bewahrt sie den Kunstbetrachter vor dem bloßen raschen Registrieren des Objektes, wozu die gen. Künste (deren Werke sofort und ganz überschaubar zu sein scheinen) im Gegensatz zu den Künsten der zeitl. Folge (Literatur, Musik usw.) leicht verführen können. Sie zwingt das vom ersten Eindruck neugierig gewordene Auge zum systematischen Befragen des Werkes, zu jenem Verweilen, in dem das Kunsterlebnis als ein alle Wesenskräfte des Menschen berührendes Ereignis wachsen kann. Die Beschreibung von Kunstwerken, jedem Kunstfreund ratsam, ist für wissenschaftliche Interpretation unumgänglich. Sie ist eine logisch aufgebaute Wiedergabe alles visuell Sichtbaren. Sie schreitet in der Regel von den Großformen zu den Details fort. Sie weist, je nach den Zielen und der zugrundeliegenden Methode viele Arten auf, doch empfiehlt sich die Betrachtung von Grundregeln. Die Seitenbenennung erfolgt vom Betrachter (vgl. Rechts und Links) aus oder bei Architektur unter Hinweis auf die Himmelsrichtungen. Bei perspektivischen Darstellungen der bildenden Kunst lenkt man den Blick meist vom Vordergrund über den Mittelgrund zum Hintergrund. Bei flächenhaften Kompositionen folgt man oft den Zonen von unten nach oben oder geht vom Zentrum der Darstellung aus. Bei Bau- oder Freiplastik beschreibt man häufig von der Standfläche an aufwärts. Auch bei Skulpturengruppen wird zweckmäßigerweise zuerst die Art des Stehens oder Lagerns angegeben und von hier aus die Körper- und Gewandbehandlung analysiert, dann die Gestik und Mimik. Beim Bildnis geht man von der Darstellungsart aus (z.b. Ganz- oder Halbfigur oder Ansicht en face). Bei Werken der Architektur (und ähnlich bei solchen der angewandten Kunst) beginnt man meist mit den Hauptformen des Grund- und Aufrisses und des Querschnittes, beschreibt dann technische Fakten und anschließend kompartiment- und geschossweise die Details. Mit der Darlegung der Licht- und Raumwirkung (bei Bauten auch der Umgebung) oder (auf Bildern und bei Plastik) bei Handlung, des Themas in seiner vorgeführten Fassung, des physiognom. Ausdrucks usw. leitet die Beschreibung in die emotional- rationale Deutung des Kunstwerks, in die Interpretation über, bei der noch einmal alle Teile der Beschreibung wichtig werden können."
[Lexikon der Kunst: Beschreibung von Kunstwerken. Lexikon der Kunst, S. 3420
(vgl. LdK Bd. 1, S. 510 ff.) (c) E. A. Seemann]

Die folgenden Kategorien sollen nicht nacheinander abgearbeitet werden, sondern in ihrem jeweiligen Sinnzusammenhang an passender Stelle geklärt werden. Es ist nicht generell zu klären wie man den Anfang des roten Fadens bekommt, der die Beschreibung dem Werk gemäß gliedert, und wie die unterschiedlichen Elemente gewichtet werden sollen. Hier den richtigen Weg zu finden ist Aufgabe einer kreativen und adäquaten Transformierung der zu untersuchenden Gegebenheiten.


Schauplatz, Ort

Die meisten gegenständlichen Bilder verweisen auf einen realen oder vorgestellten Ort, der sich bei szenischen Darstellungen in einen Schauplatz, eine Bühne verwandelt.
Eine Landschaft ist hier genau so möglich wie eine architektonisch geprägte Situation. In mystisch-religiösen Bildern kann es auch ein gänzlich unbestimmter Farb-Licht-Raum sein, der auf einen überirdischen Ort verweist.
Die Darstellung kann sich öffnen oder höhlenmäßig schließen, sie kann flach und sperrig wirken, aber auch einen Wegecharakter aufweisen oder sich in eine unendliche Tiefe öffnen. Aus- und Einblicke trennen und verbinden ein Innen vom Außen.
Das Bild kann auch einen simultanen Blick in mehrere Räume ermöglichen. Dies können beliebig kombiniert real oder vorgestellt sein. Auch Metamorphosen sind hier bekannt, die völlig unterschiedliche Orte nahtlos verbinden.

Atmosphäre

Lichtstimmungen prägen Bilder, sowohl in Landschaftsdarstellungen als auch bei Interieurs. Dabei ist zu unterscheiden zwischen diffusem und gerichtetem Licht, zwischen natürlichem und künstlichen, zwischen Leucht- und Bildlicht, das die Bildgegenstände aus sich selbst heraus erhellt.
Tageszeitliche, klimatische und jahreszeitliche Einflüsse haben großen Einfluss auf die Erscheinung, naturgemäß besonders bei Landschaften.
Dunst und Nebel schaffen Tiefe, aber auch Stimmung.
Spezialeffekte haben besonders in der visionären Kunst große Bedeutung für die Grundstimmung des Bildes.

Menschen

Menschen erscheinen vereinzelt oder in Gruppen
sind bildwichtig oder eher belebendes Element oder nebensächliche Staffage
werden durch Gestik und Mimik genauer charakterisiert
sind durch Kleidung, Accessoires, Werkzeuge etc. genauer bezeichnet

Handlung

Welche Vorgänge werden geschildert?
Welche Handlungszusammenhänge, gemeinsame Ziele verbinden die Personen?
Gibt es unter den Personen Gruppenbildungen?
Werden einzelne Personen überhöht, betont, zum eigentlichen Zentrum gemacht?
Welche Bewegungsabläufe sind zu erkennen?
Gibt es eine Vorgeschichte der Szene?
Spitzt sich die Handlung (erkennbar?) zu?
Welche Gefühle, Gedanken, Motive der Personen werden erkennbar?

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